fbpx

Mai 29

0 comments

Ich möchte zu Beginn betonen, dass ich Bart Bellon persönlich sehr schätze, sowohl als Hundeausbilder als auch als Fachmann. In den 90er Jahren bin ich als junger Mann nach Belgien gefahren und habe mir dort den Belgischen Ringsport angesehen. Da kommt man an Bart Bellon nicht vorbei. Bart Bellon hat die NePoPo®-Methode entwickelt und ist ein führender Trainer im Bereich Hundesport und Hundetraining. Er hat durch seine innovative Methode vielen Trainern weltweit neue Perspektiven eröffnet und den Hundesport maßgeblich beeinflusst.

Auf dem Bild sind einige legendäre Videos zu sehen mit Bart Bellon als Kommentator.

 

Vergleich der NePoPo-Methode und der DOGINARE-Methode im Kontext von Skinners operanter Konditionierung und der Schutzhundausbildung

Operante Konditionierung nach B. F. Skinner

Die operante Konditionierung, entwickelt von B. F. Skinner, ist eine Lerntheorie, die besagt, dass das Verhalten eines Organismus durch die Konsequenzen dieses Verhaltens beeinflusst wird. Skinner erweiterte die frühere Theorie der instrumentellen Konditionierung und führte das Konzept der Verstärkerpläne sowie das Kontingenzschema ein, welches vier Felder umfasst:

  • Positive Verstärkung: Ein angenehmer Reiz beginnt (z. B. Futtergabe nach dem Sitzen).
  • Negative Verstärkung: Ein unangenehmer Reiz endet (z. B. Schmerz lässt nach, wenn der Hund Pfötchen gibt).
  • Positive Strafe: Ein unangenehmer Reiz beginnt (z. B. Schreck oder Schmerz nach unerwünschtem Verhalten).
  • Negative Strafe: Ein angenehmer Reiz endet (z. B. Beendigung des Spiels nach Zwicken).

Diese Prinzipien sind grundlegend für das Verständnis moderner Trainingsmethoden in der Hundeerziehung, einschließlich der NePoPo- und DOGINARE-Methode.

NePoPo-Methode

Die NePoPo-Methode, entwickelt von Bart Bellon, basiert stark auf Skinners Prinzipien der operanten Konditionierung, insbesondere der negativen Verstärkung und der positiven Verstärkung.

  • Prinzipien:
    • Negative Verstärkung: Druck wird ausgeübt und endet, wenn der Hund das gewünschte Verhalten zeigt.
    • Positive Verstärkung: Der Hund wird für das gewünschte Verhalten zusätzlich belohnt.
  • Werkzeuge: Verwendet oft Elektrohalsbänder und andere technische Hilfsmittel.
  • Ziel: Den Hund dazu bringen, auf Druck mit dem gewünschten Verhalten zu reagieren und dieses Verhalten durch Belohnung zu festigen.
  • Hintergrund: Diese Methode entstammt dem Hundesport, insbesondere dem Belgischen Ring, und wird oft in sportlichen Kontexten angewendet.

DOGINARE-Methode

Die DOGINARE-Methode, entwickelt für die Ausbildung von Diensthunden bei Polizei, Militär, Bundeswehr und Zoll, setzt primär auf positive Verstärkung und strukturiertes Training ohne Anwendung von Druck oder negativen Verstärkungen.

  • Prinzipien:
    • Positive Verstärkung: Belohnung des gewünschten Verhaltens durch Leckerlis, Spielzeug oder Lob.
    • Sanfte Korrekturen: Unerwünschtes Verhalten wird ignoriert oder sanft korrigiert.
  • Werkzeuge: Verzicht auf Elektrohalsbänder und ähnliche Geräte, Verwendung von positiven Verstärkern.
  • Ziel: Förderung einer vertrauensvollen Beziehung und Motivation des Hundes durch positive Erfahrungen.
  • Hintergrund: Diese Methode ist speziell für den Diensthundebereich entwickelt worden und zielt darauf ab, die Effizienz und Sicherheit von Diensthunden zu maximieren.

Unkonventionelle Schutzdiensttechniken – Eine kritische Analyse

Tischarbeit und ihre Verbindung zu Skinners Theorie

Die Tischarbeit wird in der Hundeausbildung oft als technisches Hilfsmittel verwendet, um ausbilderische Schwächen zu kompensieren. Diese Methode kann jedoch mit Skinners Prinzipien der operanten Konditionierung in Verbindung gebracht werden, insbesondere durch die klare Struktur und Begrenzung, die sie bietet.

  • Vorteile der Tischarbeit:
    • Klare Grenzen und Struktur: Die Tischarbeit bietet klare physische Grenzen, die dem Hund helfen, sich auf spezifische Aufgaben zu konzentrieren. Diese klaren und vorhersehbaren Grenzen sind vergleichbar mit Skinners Prinzip der positiven Verstärkung, da der Hund durch die Arbeit auf dem Tisch direktes Feedback erhält, was sein Verhalten verstärkt.
    • Fokus und Konzentration: Auf einem Tisch arbeitet der Hund in einer eingeschränkten Umgebung, die Ablenkungen minimiert und den Fokus auf die gestellte Aufgabe erhöht. Dies entspricht dem Prinzip der operanten Konditionierung, bei dem der Hund lernt, durch wiederholte Verstärkung auf spezifische Reize zu reagieren.
    • Augenhöhe mit dem Hund: Das Arbeiten auf Augenhöhe kann besonders in den frühen Trainingsphasen wertvoll sein. Es ermöglicht eine engere Interaktion und Kommunikation zwischen Trainer und Hund, was die Wahrscheinlichkeit von Missverständnissen verringert und die Verstärkung gewünschter Verhaltensweisen erleichtert.
  • Ausbilderische Schwächen und Tischarbeit:
    • Kompensation von Trainingsdefiziten: Kritiker argumentieren, dass die Tischarbeit manchmal dazu verwendet wird, um Schwächen im Training zu kaschieren, indem sie dem Hund “Körner” nimmt, also seine Bewegungsfreiheit einschränkt und ihn leichter kontrollierbar macht. Dies kann als kurzfristige Lösung angesehen werden, die die zugrunde liegenden Probleme in der Ausbildung nicht adressiert.
    • Mangelnde Übertragbarkeit: Fähigkeiten, die auf dem Tisch erlernt werden, sind möglicherweise nicht immer nahtlos auf den Boden übertragbar. Dies bedeutet, dass ein Hund, der auf dem Tisch gut arbeitet, nicht zwangsläufig dieselben Fähigkeiten in einer offenen Umgebung zeigt. Dies stellt eine Herausforderung für die langfristige Wirksamkeit und Verlässlichkeit der Ausbildung dar.

Integration der DOGINARE-Methode und der Tischarbeit im Kontext von Skinners Theorie

Die DOGINARE-Methode basiert stark auf positiven Verstärkungen und einem strukturierten, phasenweisen Ansatz, der auf Vertrauen und Respekt zwischen Hund und Hundeführer aufbaut. Im Rahmen dieser Methode kann die Tischarbeit als spezifisches Trainingselement genutzt werden, ist jedoch nicht zwingend erforderlich. Der Erfolg der DOGINARE-Methode hängt nicht von der Tischarbeit ab.

  • Zusammenführung mit Skinners Prinzipien:
    • Positives Umfeld: Durch die Verwendung kontrollierter Umgebungen, ob auf einem Tisch oder anderswo, kann ein positives und unterstützendes Lernumfeld geschaffen werden. Der Hund lernt, dass bestimmte Verhaltensweisen zu positiven Ergebnissen führen, was seine Motivation und sein Selbstbewusstsein stärkt.
    • Systematischer Aufbau: Die DOGINARE-Methode betont den systematischen Aufbau und die schrittweise Einführung neuer Aufgaben, um sicherzustellen, dass der Hund das Gelernte zuverlässig und konsistent anwendet.

Das “Aufmachen” nach der DOGINARE-Methode im Kontext von Skinners operanter Konditionierung

Nach dem strukturierten Aufbau gemäß der DOGINARE-Methode folgt die Phase des “Aufmachens”, bei der der Hund mit neuen, herausfordernden Reizen konfrontiert wird. Diese Phase entspricht Skinners Idee der operanten Konditionierung, indem der Hund lernt, flexibel auf verschiedene Umweltreize zu reagieren und selbstständige Problemlösungsstrategien zu entwickeln.

  • Flexible Reaktionen:
    • Verstärkung unter variablen Bedingungen: In dieser Phase wird der Hund in unterschiedlichen, oft unvorhersehbaren Situationen trainiert, was seiner Fähigkeit entspricht, unter variablen Verstärkungsbedingungen zu operieren. Der Hund lernt, dass das Verhalten in verschiedenen Kontexten zu positiven Ergebnissen führen kann, was seine Anpassungsfähigkeit und Resilienz stärkt.
  • Selbstständigkeit und Problemlösung:
    • Eigenständige Strategien: Durch die Konfrontation mit neuen Reizen und Herausforderungen entwickelt der Hund die Fähigkeit, eigenständige Strategien zur Bewältigung dieser Situationen zu entwickeln. Dies entspricht Skinners Konzept der operanten Konditionierung, bei der der Hund durch Versuch und Irrtum lernt, welche Verhaltensweisen erfolgreich sind und welche nicht.
  • Positive Eskalation und Selbstregulation:
    • Erweiterung der Fähigkeiten: Diese Phase dient dazu, den Hund aus seiner Komfortzone zu locken und ihn dazu zu bringen, seine erlernten Fähigkeiten auf neue und intensivere Situationen zu übertragen. Durch diese positive Eskalation lernt der Hund, seine eigenen Fähigkeiten und Grenzen zu erkennen und sich entsprechend zu regulieren.

Fazit

Die DOGINARE-Methode nutzt die Prinzipien der operanten Konditionierung, um eine umfassende und nachhaltige Ausbildung von Diensthunden zu gewährleisten. Die Integration der Tischarbeit als spezifisches Trainingselement ist optional und nicht zwingend notwendig für den Erfolg der Methode. Die DOGINARE-Methode kann erfolgreich ohne den Einsatz von Tischarbeit angewendet werden, da sie auf positiven Verstärkungen und einem systematischen, phasenweisen Ansatz basiert, der das Vertrauen und die Motivation des Hundes fördert. Durch diese strukturierte und positive Herangehensweise wird nicht nur die Effizienz und Sicherheit der Diensthunde maximiert, sondern auch eine starke, vertrauensvolle Beziehung zwischen Hund und Hundeführer gefördert.

  • #Hundetraining #Hundeerziehung #Schutzhund #NePoPo #DOGINARE #BartBellon #Diensthund #Hundesport #OperanteKonditionierung #BFSkinner #PositiveVerstärkung #Hundeschule #Hundeliebe #Hundepsychologie
  • #Verhaltenstraining

Related Posts

Karl-Heinz Klöpper

05/29/2024

NePoPo-Methode vs. DOGINARE-Methode

NePoPo-Methode vs. DOGINARE-Methode
Arbeit mit Schutzhunden an der Hetzkette (Anlegeleine): Eine emotionale Perspektive
Die wahre Kraft der Spürhunde: Erfahrung zählt!

Karl-Heinz Klöpper

02/14/2024

Die Welt durch die Augen eines Diensthundes

Die Welt durch die Augen eines Diensthundes
>