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Juli 27

Speichelbildung und ihre Bedeutung für die Spürhundarbeit

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Einmal die Dinge der Spürhundarbeit hinterfragen?!:

 

Es ist doch häufig so. Manche Dinge in der Hundeausbildung haben wir irgendwann und irgendwo erlernt oder uns abgeguckt und dann für unsere eigene Arbeit mit dem Hund verwendet und automatisiert.

Oft tun wir das, ohne dass wir uns darüber nähere Gedanken machen. Vielleicht, weil es einfach funktioniert, vielleicht aber auch, weil es uns logisch erscheint.

Manchmal ist es aber auch schlau, einmal hinter die Kulissen zu gucken und dass Ein oder Andere zu hinterfragen.

Oftmals wird man doch von diesem Ergebnis überrascht und die Erklärung für das, was unser Hund tut, ist oft eine Andere, als das, was wir darin sehen wollen.

Dieser Artikel erhebt keinen Anspruch auf eine vollständige Tiermedizinische Richtigkeit. Ich habe versucht die wichtigste Information aus der Tiermedizin und der Wissenschaft herauszusuchen und für uns praktischen Hundeführer einmal deutlich zu machen.

Ich habe viele Passagen in meinem Artikel mit den Quellen von Studien gekennzeichnet. Wer also wissenschaftlich detaillierte Auskünfte haben möchte, kann gerne in diesen Studien nachblättern.

 

 

Der Speichel und die Speicheldrüsen – Auswirkungen auf die Spürhundarbeit?

 

Als aktive Hundeführer erkennen und bemerken wir, wie der Hund Speichel bildet, ihm dieser regelrecht aus dem Fang läuft, wenn wir ihm sein Lieblingsspielzeug zeigen und wir mit ihm das gemeinsame Spielen beginnen.

Diesen Vorgang, das „Anspielen“, führe ich als Spürhundführer vor jeder Spürarbeit durch, egal ob in einer reellen Situation oder in einer Übungssituation.

Bis vor einiger Zeit war ich der Auffassung, dass dieses Spiel, dieses Ritual vor Beginn der Spürarbeit, nur dazu dient, den Hund aufmerksam zu machen und die Konzentration auf die Suche nach seinem Spielzeug zu lenken. Quasi ein „warm up.“

Aber das hat mir irgendwie nie als Erklärung gereicht.

Der Speichelfluss als optische und körperliche Auswirkung während des gemeinsamen Spielens, musste nach meinem Bauchgefühl eine andere Ursache und Aufgabe haben.

Dazu musste ich den Gesamtvorgang des Speichelns erst einmal aufschlüsseln und ich begann bei der Anatomie.

 

Anatomie:

 

Der Speichel ist ein Gemisch der Sekrete der drei großen Speicheldrüsen Glandula parotis, Glandula mandibularis und Glandula sublinguales -, und der kleinen Speicheldrüsen Glandula labiales et buccales und der zahlreichen schleimproduzierenden Drüsen der Mundhöhle (Lehmann und Hellwig, 1998; Nickel et al., 1987; Young et al., 1994).

Da der Hund seine Nahrung kaum kaut, sind seine Speicheldrüsen schwächer als die des Menschen ausgebildet (Nickel et al., 1987).

Durch den Zusammenfluss vieler kleiner Ausführungsgänge wird ein gemeinsamer Ausführungsgang gebildet, der Ductus Parotideus, welcher beim Hund in Höhe des maxillaren P3/P4 Prämolaren (Nickel et al., 1987), einmündet (Ohrspeicheldrüse).

Die Glandula mandibularis (Unterkieferdrüse) liegt beim Hund, meist von der Ohrspeicheldrüse verdeckt, im Bereich zwischen Atlasflügel und Basihyoid des Zungenbeins; sie ist bei diesem größer als die Glandula parotis. Ihr Ausführungsgang, der Ductus mandibularis, läuft an der Glandula sublingualis medial vorbei und mündet unter der Zunge auf der Caruncula sublingualis in die Mundhöhle (Nickel et al., 1987; Rohen, 1994).

Unter der Schleimhaut der Zungenseitenflächen liegen die Glandula sublinguales (Unterzungendrüsen). Sie bestehen bei Hund und Mensch aus einem Komplex kleiner Einzeldrüsen, den Glandula sublinguales minores seu polystomatica, deren Ausführungsgänge im Bereich des Mundhöhlenbodens münden und der kompakteren Glandula sublingualis major seu monostomatica, deren Ausführungsgang parallel zum Ductus mandibularis verläuft und seitlich mit diesem auf der Caruncula sublingualis in die Mundhöhle mündet (Benninghoff, 1985; Nickel et al., 1987).

 

 

Aufgaben/Funktion des Speichels:

 

Der Speichel hat verschiedene Aufgaben, die sich in primäre verdauungsphysiologische und sekundäre Funktionsgruppen unterteilen lassen.

 

 

Primäre Funktionsgruppe:

Zur ersten Gruppe, der verdauungsphysiologischen Funktionen, zählen bei allen Säugetieren die Selbstreinigung der Mundhöhle durch Abspülen von Speiseresten, der Schutz der Mundschleimhaut und der Schutz der Zähne vor Austrocknung und Säureeinwirkung sowie die Verhinderung der Ausbreitung infektiöser Keime.

Erreicht wird dies alles, durch die ständige Spülung von Mund und Zähnen (Spülspeichel).

Der Speichel reguliert den Flüssigkeitshaushalt des Körpers. Eine weitere Funktion besteht im Durchtränken und Verdünnen der Nahrung (Verdünnungsspeichel), um diese gleitfähig zu machen (Gleitspeichel) und ein Abschlucken zu ermöglichen.

Durch die Freisetzung von Geschmacksstoffen beim Fressen, intensiviert der Speichel zudem die Geschmacksentwicklung.

 

Der Speichel des Menschen enthält, anders als beim Hund, auch das Verdauungsenzym a-Amylase (Verdauungsspeichel), wodurch im Mund bereits die enzymatische Kohlenhydratverdauung eingeleitet wird.

Dem Hundespeichel fehlen Verdauungsenzyme (Breves et al., 2000; Ewe und Karbach, 1993; Lehmann und Hellwig, 1998; Nickel et al., 1987; Young et al., 1994).

 

 

Sekundäre Funktionsgruppe:

Zur Gruppe der sekundären Speichelfunktionen zählt die bakterizide Wirkung des Speichels. Durch seine Inhaltsstoffe Lysozym, Peroxidase und Immunglobulin A erhält der Speichel eine gewisse antibakterielle Wirkung (Breves et al., 2000; Ewe und Karbach, 1993; Young et al., 1994).

Durch den Speichel wird jedoch auch die Plaquebildung induziert; er bietet den Mikroorganismen der normalen Mundflora ein optimales Kulturmedium (Williams et al., 1992).

Beim Hund hat der Speichel auch eine thermoregulatorische Funktion; durch Hecheln wird die Wärme über Verdunstung des Speichels abgegeben (Breves et al., 2000; Young et al., 1994).

Der Speichel ist ferner nicht nur Sekret, sondern auch Exkret.

Bei einer Niereninsuffizienz werden beispielsweise über den Speichel Harnstoff und andere harnpflichtige Substanzen ausgeschieden, auch manche Medikamente werden über den Speichel eliminiert (Gürtler, 1980; Lehmann und Hellwig, 1998).

Die Speichelsekretion wird durch verschiedene Reize ausgelöst und erfolgt – wie bereits Pawlow nachwies – reflektorisch durch unbedingte und bedingte Reflexe.

Die unbedingten Reflexe sind angeboren; sie werden durch die durch unmittelbaren Kontakt der Nahrung mit der Maulschleimhaut entstehenden mechanischen und chemischen Reize ausgelöst.

Die mechanischen Reize haben bei den Haussäugetieren die größere Bedeutung, trockene Nahrung bewirkt eine stärkere Speichelsekretion. Bei rascher Nahrungsaufnahme jedoch wie z.B. bei der Aufnahme eines wasserreichen, breiigen Futters spielen sie eine untergeordnete Rolle.

Die bedingten Reflexe sind nicht angeboren, sie werden im Laufe des Lebens durch Erfahrung erworben.

An ihrem Zustandekommen ist das Großhirn mitbeteiligt. Sie verursachen eine – durch Sinnesreize ausgelöste – „psychische“ Sekretion.

So wird die Speichelsekretion schon durch Riechen oder Sehen der Nahrung angeregt, auch mit der Fütterungsvorbereitung verbundene Geräusche oder Handlungen können die Sekretion auslösen (Breves et al., 2000; Gürtler, 1980; Hill, 1976; Meyer, 1983).

 

Es gibt eine weitere Funktions-Gruppe, die aber bedingt ist durch die u.a. schädigenden Ereignisse oder Erkrankungen:

Hitze

Hunden kann es schnell zu warm werden. Gerade Rassen mit einer kurzen Schnauze (z.B. Mops oder Bulldogge) beginnen bei höheren Temperaturen schnell zu speicheln. Hier gilt es, Ihren Vierbeiner nicht länger als nötig den warmen Sonnenstrahlen auszusetzen und ihm genügend Wasser zu trinken zu geben.

Angst und Stress

Bei Angst, Aufregung, Nervosität und Stress neigen Tiere ebenfalls zu einer erhöhten Speichelproduktion. Tritt der starke Speichelfluss bei Ihrem Hund z.B. während des Autofahrens auf, so macht ihm diese Situation höchstwahrscheinlich Angst oder bereitet ihm Stress. Tiere sollten generell langsam an das Autofahren gewöhnt werden. Sie können z.B. Ihren Hund öfter in den Wagen setzen, ohne loszufahren. So kann er sich an die Umgebung gewöhnen und die Aufregung nimmt nach und nach ab. Speichelt Ihr Vierbeiner sehr viel, wenn er mit Artgenossen spielt, kann auch das Stress oder Aufregung für ihn bedeuten.

Fremdkörper im Fang

Eine der häufigsten Ursachen für starken Speichelfluss bei Hund und Katze sind kleine Knochen-, Holzstückchen, Fischgräten oder Ähnliches, die sich zwischen den Zähnen festgesetzt haben. Überprüfen Sie das Maul auf Fremdkörper und entfernen Sie diese vorsichtig. Wenn Sie Bedenken haben, Ihrem Tier dabei weh zu tun oder zu verletzen, lassen Sie die Fremdkörper von einem Tierarzt beseitigen.

,,Hindernisse’’ in der Mundhöhle

Dazu gehören z.B. Schwellungen oder Tumore. Diese verhindern, dass das Tier den Speichel schlucken kann. Das Sekret sammelt sich daher in der Mundhöhle an und läuft schließlich aus dem Maul heraus. Wenn Sie Schwellungen und Ähnliches im Maul Ihres Haustieres entdecken, sollten Sie einen Tierarzt aufsuchen.

Probleme mit Zahn und Zahnfleisch

Sämtliche Unstimmigkeiten mit Zahn und Zahnfleisch lösen automatisch vermehrtes Speicheln aus. Dazu gehören entzündetes Zahnfleisch sowie abgebrochene, lockere oder faule Zähne. Sehen Sie sich das Maul Ihres Vierbeiners genau an. Weitere Symptome neben dem vermehrten Speichelfluss sind beim Hund und bei der Katze starker Mundgeruch und die Verweigerung des Futters aufgrund von Schmerzen.

Medikamente

Muss Ihr Hund oder Ihre Katze Medikamente einnehmen? Erhöhter Speichelfluss beim Hund ist eine häufige Nebenwirkung verschiedener Präparate. Lesen Sie sorgfältig die Beipackzettel oder fragen Sie Ihren Tierarzt.

Erkältung

Sind Hunde und Katzen erkältet, weisen sie einen vermehrten Speichelfluss auf. Das ist eine normale Reaktion des Körpers.

 

Übelkeit

Vermehrte Speichelsekretion tritt oft als Begleiterscheinung bei Übelkeit und Erbrechen auf.

Entzündung der Speicheldrüsen

Speicheldrüsen werden bei einer Entzündung zur zusätzlichen Speichelproduktion angeregt. Hier sollte ein Tierarzt Ihren Hund bzw. Ihre Katze untersuchen.

Vergiftung

Eine erhöhte Speichelsekretion tritt bei einer Vergiftung als Symptom auf. Wenn neben Speicheln auch Erbrechen, Zittern, Krämpfe oder sogar Bewusstlosigkeit auftreten, sollten Sie umgehend eine Tierarztpraxis aufsuchen. Geben Sie zuvor telefonisch über Ihr Eintreffen Bescheid, sodass Behandlungsmaßnahmen rechtzeitig vorbereitet werden können.

Speicheln als Kampf- oder Flucht-Reaktion:

Bereitet sich der Körper auf die sogenannte „Kampf- oder Flucht-Reaktion“ vor, wird der Speichelfluss für die Verdauung unterbrochen. Dieser ist klar und flüssig. Es wird nur noch die Bildung von sogenanntem mukösen (zähflüssigen) Speichel angeregt.

 

 

Es gib Gründe für eine übermäßige Speichelproduktion

 

Es gibt selbstverständlich noch weitere Ursachen einer übermäßigen Speichelproduktion.

Das hat zur Folge, dass der Speichel nicht mehr tropft, dem Hund also nicht mehr das Wasser im Mund zusammenläuft, sondern der Speichel in gelartigen Fäden hängt. Bei zusätzlichem Hecheln wird das Gel wie Eiweiß aufgeschlagen und wird zu Schaum.

Wir Menschen neigen daher zu einem trockenen Mund, wenn wir gestresst sind.

Klebriger, gelartiger Sabber ist also ein wichtiges Indiz für Stress, während tropfendes Wasser eher auf eine Futtererwartung hindeutet!

 

Die Speichelsekretion ist nicht konstant, da die einzelnen Drüsen nicht gleichmäßig sezernieren (absondern).

Wie oben bereits angesprochen, befinden sich die kleinen Speicheldrüsen und die übrigen Drüsen der Mundhöhle im Zustand der Dauersekretion; sie haben vorwiegend lokale Funktion und halten die Mundhöhle feucht.

Die großen Speicheldrüsen sezernieren (sondern ab) dagegen nur während der Nahrungsaufnahme (Breves et al., 2000; Gürtler, 1980; Hill, 1976; Nickel et al., 1987).

Beim Menschen werden täglich ungefähr 1-1,5 l Speichel sezerniert (Breves et al., 2000; Ewe und Karbach, 1993; Lehmann und Hellwig, 1998).

Beim Hund schwankt die Speichelmenge stark und ist insbesondere abhängig von Rasse bzw. Größe und Belastung (Hecheln); die basale Sekretion ist in der Regel gering. Die von Meyer (1983) angegebene durchschnittliche Sekretionsmenge liegt bei 20–40 ml/kg/Tag, bei Breves et al. (2000) finden sich dagegen Angaben über das Speichelvolumen von 0,1–0,2 l/Tag.

Im Mittel entfallen ca. 90 % des Speichels auf das Sekret der Glandula parotis und Glandula mandibulares, die übrigen 10 % werden jeweils zur Hälfte von den Glandula sublinguales und den kleinen Speicheldrüsen gebildet (Breves et al., 2000).

Für die Speichelsekretion sind die Wasseraufnahme bzw. der Flüssigkeitshaushalt des Körpers von Bedeutung; durstige Tiere produzieren weniger Speichel (Hill, 1976).

Ferner beeinflussen auch der Umfang der Nahrungsaufnahme, die physikalische Beschaffenheit sowie der Trockensubstanzgehalt der Nahrung das Sekretionsvolumen (Gürtler, 1980).

Die Innervation (Versorgung von Geweben mit Nerven) der Speicheldrüsen des Menschen wie auch des Hundes, erfolgt über parasympathische Fasern (beruhigende Fasern) des Nervus facialis und Nervus glossopharyngeus sowie über sympathische Fasern (anregende Fasern) aus den ersten drei Thorakal Segmenten (Breves et al., 2000; Young et al., 1994).

Die Zusammensetzung und die Menge des Speichels sind daher nicht nur abhängig vom Umfang, der physikalischen Beschaffenheit und dem Wassergehalt der Nahrung, sondern vor allem auch von der Konzentration der Transmitter Noradrenalin bzw. Acetylcholin in der Nähe der Drüsenzellen!

Eine Reizung des Sympathikus (vegetatives Nervensystem) führt durch Vasokonstriktion (Verengung von Blutgefäßen) und Kontraktion (Zusammenziehen) der Korbzellen der Drüsenendstücke zu einer Abnahme der Speichelmenge sowie zur Sekretion eines visköseren (zähflüssigeren), wasserärmeren Speichels.

Eine parasympathische Stimulation dagegen bedingt eine Vasodilatation und eine starke Zunahme der Speichelsekretion, vor allem durch gesteigerte Sekretion der Gl. parotis mit Produktion eines serösen Speichels (Breves et al., 2000; Gürtler, 1980; Hill, 1976; Young et al., 1994).

Der Speichel besteht zu 99 % aus Wasser, der Trockensubstanzgehalt ist abhängig von der Konsistenz des Futters (Meyer, 1983). In der Trockenmasse sind anorganische und organische Verbindungen sowie abgeschilferte Epithelzellen, Mikroorganismen und Leukozyten enthalten.

Die organischen Bestandteile im Speichel machen etwa 60-70 % der Trockenmasse aus. Sie bestehen aus Proteinen (Albumine, Globuline, verschiedene Enzyme), Aminosäuren, Vitaminen und Hormonen, die von den serösen und mukösen Drüsen produziert werden.

Das Sekret der mukösen Drüsen enthält auch Muzin, ein Glykoprotein, welches die Viskosität des Speichels bedingt und das Kauen und Schlucken von fester Nahrung erleichtert.

An anorganischen Substanzen kommen hauptsächlich Chloride, Phosphate und Bikarbonate sowie die Kationen Natrium, Kalium, Calcium und Magnesium, ferner in Spuren Sulfate, Nitrate, Ammoniak und Eisensalze vor. Aufgrund des Gehaltes an Bikarbonat, freiem CO und Protein spielt der Speichel auch als Puffer für den Gesamtorganismus eine Rolle (Gürtler, 1980; Hill, 1976; Lehmann und Hellwig, 1998; Meyer, 1983; Young et al., 1994).

 

Die Speichelbildung erfolgt in zwei Stufen:

 

  1. Die Drüsenendstücke sezernieren einen Plasma Isotonen Primärspeichel, dessen Elektrolytzusammensetzung der des Plasmas ähnelt.
  2. In den Ausführungsgängen erfolgt durch Modifikation die Bildung des Sekundärspeichels. Bei seiner Passage durch die Drüsenausführungsgänge werden Natrium- und Chloridionen resorbiert, wodurch der Speichel hypoton wird; gleichzeitig werden vom Gangepithel Kalium- und Bikarbonat Ionen sezerniert.

Im Unterschied zum Blutplasma, enthält der Speichel relativ hohe Kalium- und Bikarbonat Konzentrationen. Die Elektrolytzusammensetzung im Speichel hängt von seiner Verweildauer in den Ausführungsgängen der Speicheldrüsen und damit entsprechend vom Sekretionsvolumen ab.

Mit zunehmender Sekretionsrate erhöhen sich die Natrium- und Chlorid-Konzentrationen, während die Kalium-Konzentration abfällt. Durch die Hypotonizität (verminderter Druck) des Speichels ist die Proteinlöslichkeit und die Salzempfindlichkeit erhöht (Ewe und Karbach, 1993; Young et al., 1994).

Der pH-Wert des Speichels liegt beim Menschen mit pH = 6,7–6,8 im schwach sauren, (Lehmann et al., 1998), beim Hund dagegen mit pH = 7,3–7,8 im leicht alkalischen Bereich (Gürtler, 1980).

 

 

Speichelbildung beim Spielen und Auswirkung auf die Spürarbeit:

 

Die Speichelbildung entsteht durch die körperliche und psychische Anspannung und Erwartung, durch die Erregung und Freude, bei unterschiedlichen Auslösern.

Also auch bei unserem „Anspielen“ vor der Spürarbeit!

In aller Kürze gesagt erfolgt die Speichelbildung durch:

  1. Die kleine Speicheldrüse. Sie hat die Aufgabe die Mundhöhle feucht zu halten.
  2. Die große Speicheldrüse hat die Aufgabe die Nahrung zu verdauen.

Aber warum speichelt der Hund beim gemeinsamen Spielen so stark? Es findet hier scheinbar ja keine Nahrungsaufnahme statt.

Die Hunde befinden sich beim Spiel in einem erhöhten Gefühlszustand, den sie kaum kontrollieren können und die Erregung und die Erwartung zeigt sich durch die erhöhte Speichelproduktion im Mund.

(siehe oben: (Geräusche und Handlungen: Breves et al., 2000; Gürtler, 1980; Hill, 1976; Meyer, 1983).

Das Spiel an sich, ist wiederum als Handlung ein jagen und ringen nach der Beute. In der Natur hat das Jagen der Beute zur Folge, dass die Beute gefressen wird.

Daher ist die Beantwortung dieser Frage eigentlich einfach, denn dieses Speicheln beruht beim Spiel auch wieder instinktiv auf eine zu erwartende Nahrungsaufnahme, da hier das Jagen/Spielen mit einer Nahrungsaufnahme verknüpft ist.

Der Speichel an sich hat hier nicht die Funktion die bei einer Nahrungsaufnahme erforderlich ist. Der Auslöser ist gleich.

 

Hier enthält der Speichel u.a. Adrenalin. Adrenalin (Epinephrin) ist ein Hormon, das in den Nebennieren gebildet und bei Stress vermehrt ins Blut abgegeben wird. Es mobilisiert die Energiereserven im Körper und steigert die Leistungsbereitschaft. Das Herz schlägt schneller, der Blutdruck steigt an.

Das Adrenalin wird zum Teil auch durch den Speichel abgegeben. (Cooper et. al. 1989).

Ebenfalls enthält der Speichel Noradrenalin, welches ebenfalls in den Nebennieren gebildet wird und ebenfalls in kleinen Teilen im Speichel abgegeben wird.

Diese Neurotransmitter haben einen direkten Einfluss auf das Speicheln, da sie die Freisetzung des Corticotropin releasing hormone (CRH) reguliert. Daraus steigert sich die Herzfrequenz und der Blutdruck und es erhöht oder drosselt die Energiezufuhr.

Zudem enthält der Speichel Cortisol!

Stressoren, die akut auf den Körper einwirken, führen nach LADEWIG (1994) zu einem deutlichen Anstieg von Cortisolwerten.

Mehrere Wissenschaftler behaupten, dass das Messen des Cortisolwertes einen Nachweis für Stress liefert (Morberg 2000; Kirschbaum u. Hellhammer 1994; Vincent u. Michell 1992). Morberg (2000) hebt hervor, dass die Voraussetzung dafür gute experimentelle Bedingungen sein müssen.

Mittlerweile handelt es sich bei der Messung des Speichelcortisolwertes um eine weit verbreitete Untersuchungsmethode, Stress bei Nutztieren und Hunden zu ermitteln (KOBELT et al. 2003).

In der Praxis beobachtet man häufig nicht ein spielerisches Ringen um den Spielgegenstand mit dem Hundeführer, sondern eine fast schon kämpferische Auseinandersetzung durch aktives Bedrohen des Hundeführers, begleitet von körperlichen Einwirkungen (Einklemmen des Hundes, wegstoßen mit dem Knie usw.) All dies führt zu einem massiv erhöhten Cortisolanstieg. Messbar im Speichel des Hundes. Und messbar an negativen Ergebnissen in der Spürarbeit!

 

Wie Untersuchungen auch zeigen, werden neben Cortisol auch Hormone der Nierennebenrinde in den Speicheldrüsen metabolisiert (Abbau von Substanzen durch ein Enzym), (BOTZEN, 1989) bzw. in freier Form mit dem Speichel ausgeschieden (COOPER et al. 1989).

 

 

Zusammengefasst kann man also feststellen, dass die Speichelproduktion ein wichtiges Indiz dafür ist, dass unser Hund für die Spürarbeit gut vorbereitet ist, sofern wir dabei den Cortisolanstieg vermeiden!

 

Alle biochemischen und psychischen Vorgänge werden durch das Spiel in Gang gesetzt und der Hund ist bestens für seine Aufgabe vorbereitet.

Vielleicht vergleichen wir es mit einem Hochleistungssportler. Dieser beginnt auch nicht mit einem Hürdenlauf, ohne sich vorher warm zu machen. Beim Warmmachen werden alle wichtigen Körperfunktionen angeregt und er bekommt ein Gefühl für seine Aufgabe.

Genau darum ist es auch bei Hunden wichtig, dass wir diesen durch ein gemeinsames Spiel warm machen und für die Spürarbeit vorbereiten.

 

Copyright: Karl-Heinz Klöpper


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